Interview mit Jan Rouven in Las Vegas – dem derzeit erfolgreichsten deutschen Magier

Ein Interview mit Jan Rouven in Las Vegas. Das war einer der wichtigsten Termin beim letzten Aufenthalt im November 2014. Ein Update der Recorder App in Verbindung mit dem Wechsel des Smartphones ließ jedoch das Einspielen des Backups mit einem Datenschluckauf enden – zumindest für die aufgenommenen Interviews, diese Dateien konnte jetzt in einem neuen Anlauf rekonstruiert werden. Vom deutschen Magie-Superstar, der sich selber nicht gerne so bezeichnet, gibt es jedoch auch neun Monate später in deutschen Medien noch nicht viel zu lesen. Warum Jan Rouven Las Vegas so liebt, wie der Wechsel vom mittlerweile geschlossenen Riviera Casino zustande kam und worin er das ganz Besondere seiner Show sieht, lest ihr jetzt im vollständigen Interview.

Jan Rouvens Illusions Las Vegas Show at the Tropicana Hotel

Jan Rouven bei den Proben im Tropicana Las Vegas

Las Vegas Blog: Jan Rouven, superlieben Dank erst einmal, dass Du Dir jetzt während der Proben für Deine neue Show so kurz vor der Premiere die Zeit nimmst. Du scheinst richtig Spaß dabei zu haben und schon ungeduldig zu sein. Welche Bedeutung hat für Dich der Wechsel in das Theater im Tropicana Hotel.

Das passiert ein einziges Mal im Leben und da muss man zugreifen

Jan Rouven: Es ist eine sehr sehr aufregende Zeit. Wir hatten vorher 500 Plätze und jetzt sind 1149. Und ich bin wirklich ein bisschen ungeduldig gewesen, weil ich drei Jahre in dem kleineren Theater im Riviera Casino war. Ich wollte so gerne in ein größeres Theater ziehen, wieso sieht das hier keiner. Dann musste ich erst einmal lernen – der Strip gehört fast ausschließlich zwei Unternehmensgruppen MGM und Caesars. Und jede Gruppe hat bereits ihren Headliner Magier und Caesars hat sogar zwei, einen davon nicht auf dem Strip im Rio Casino. Also kommen nur noch die unabhängigen Hotels infrage. Hier im Tropicana war irgendwann das Mamma Mia vorbei – das ist ein vollwertiges Musicaltheater, da für bist Du noch viel zu klein, habe ich gedacht.
Irgendwann haben zwei Herren in Anzug und Schlips zwei VIP Tickets für eine Kabine im Riviera zum Vollpreis gekauft, einschließlich Meet-And-Greet, wo sie dann nicht einmal waren. Da hat mein Manager schon zu mir gesagt:“Die zwei da sehen verdächtig aus“. Am nächsten Morgen um zehn Uhr klingelt das Telefon, dabei ist das gar nicht unsere Zeit – wir sind Künstler und haben spät am Abend Vorstellungen. Auf der anderen Seite der Leitung war der Vizepräsident Marketing vom Tropicana – wir möchten bitte um 14.00 Uhr zu einem Meeting kommen, wenn wir denn Zeit hätten, der Eigentümer möchte mit uns sprechen. Ich war zufällig am Telefon und hab eher an „Versteckte Kamera“ gedacht. Der Eigentümer ist millionenschwer, der kommt doch nicht zum Meeting. Wir fahren zur Besprechung, die Tür geht auf und der Eigentümer Alex Yemenidjian kommt herein.
Yemenidjian sagt, er mochte sehr, was letzte Nacht gesehen hat. Er könne nicht verstehen, warum niemand anderes bisher mich weggeschnappt hat. Kannst Du die Show für meine Bühne größer machen. „Ja kann ich“, habe ich sofort gesagt. Yemenidjian fragt:“Wann können Sie das denn“? Drei Monate später sitze ich hier kurz vor der Premiere. Das ist wie bei Siegfried und Roy und Steve Wynn. Das passiert ein einziges Mal im Leben und da muss man zugreifen.

Las Vegas Blog: Bist Du jetzt an Deinem Ziel, Jan?

Jan Rouven: Ja, ich bin an meinem Ziel, ich kann hier bis zu Rente so weitermachen. Ich bin auf dem Strip, in einem supergeilen, großen Theater – was will man mehr? Vielleicht ein Jan-Rouven-Theater. (lacht)

Las Vegas Blog: Rente ist ja noch ein wenig hin. Was hast Du Dir für die nächsten Monate vorgenommen?

Jan Rouven: Ich möchte Las Vegas eine Show präsentieren, die anders ist als alle anderen Magic-Shows. Ich habe die Konkurrenz hier gleich vor der Tür und ich habe unter anderem mit David Copperfield im MGM Grand Hotel Weltstars direkt nebenan.

Las Vegas Blog: Vielleicht bist Du jetzt auch ein Weltstar, obwohl Du das nicht wahr haben möchtest.

Gute Magic Shows kann es nie genug geben

Jan Rouven Illusions - Drill of Death - Las Vegas Show

Jan Rouven mit dem Bergwerksbohrer, den er für seine Illusion Drill of Death verwendet

Jan Rouven (lacht): Die lokale Presse sagt mir das jetzt auch – ich mag mich da noch nicht so richtig einfügen… „Sagen wir einmal: Er ist auf dem Weg dahin…“, wirft Jan Rouvens jahrelanger Manager Frank Alfter ein, der mittlerweile zu dem Interview dazu gekommen ist.
Ich versuche meine Alleinstellungsmerkmale in den Vordergrund zu stellen. Ich bin Deutscher und erster nach Siegfried & Roy mit eigener Show. Ich kann ganz gut eine Verbindung zu meinem Publikum aufbauen und bin nach der Show immer noch einmal draußen bei meinen Gästen – das kommt großartig an. Ich mache das, was man früher eine große Las Vegas Extravaganza genannt hat, also eine luxuriös und opulent ausgestattete Show – nur sehr modern. Viele Amerikaner haben David Copperfield schon gesehen und lieben Magie Shows und haben Lust auf etwas völlig Neues. Magie und Las Vegas passt einfach – richtig gute Magic Shows kann es nie genug geben.

Las Vegas Blog: Was dürfen Deine Zuschauer in Deiner neuen Show erwarten? Was machst du anders oder besonders?

Das ist wie beim Tatort – ein Mord und jeder weiß, es ist nur Fiktion aber man fiebert mit

Jan Rouven: Ich mache viele „Physical Stunts“, ich mag ja gefährliche Illusionen. Daher kommt auch meine Beiname: Der Mann mit den sieben Leben. Hier habe ich Brandblasen (zeigt seine seine Hände). Da ist bei den Proben brennendes Öl drauf getropft. Ich versuche bei meinen Illusionen immer noch etwas oben drauf zu legen. Zum Beispiel auch bei meinem unter Wasser Trick in der Show mit einem völlig neuen, überraschenden Ende. Oder ein riesiger Bergwerksbohrer auf einer zwölf Meter langen Schien bohrt sich durch meinen Körper. Zusammenfassend: Gefährliche, körperlich extrem anstrengende Tricks und Illusionen, die kein anderer hier machen kann. David Copperfield macht das längst nicht mehr.
„Weil er mittlerweile nicht mehr jung genug ist“, kommentiert sein Manager. Das ist für mich in den Dreißigern schon extrem anstrengend, mit 60 Jahren möchte ich auch nicht mehr kopfüber an brennenden Seilen hängen und mich gefährlich unter Wasser aus Fesseln lösen. Jetzt kommt das beim Publikum halt sehr gut an und auch Kinder bekommen leuchtende Augen. Das ist wir beim Tatort – es passiert ein Mord und jeder weiß, es ist nur Fiktion aber trotzdem fiebert man mit. Ich bin halt wirklich unter Wasser und da ist immer ein Restrisiko. Es ist bei einer Probe halt schon passiert, dass ich nicht aus dem Wassertank gekommen bin. Frank, mein Manager, war kreidebleich im Gesicht.

Las Vegas Blog: Wie viel Innovation gibt es noch bei Magie Shows?

Magie und deutsch steht hier in Las Vegas für Qualität

Jan Rouven Show Las Vegas Porträt

Jan Rouvens Las Vegas Show „The New Illusions“

Jan Rouven: Es gibt durchaus Innovation – das ist auch wichtig. Wir haben hier zum Beispiel eine neue Illusion, bei der ein Motorrad mitten auf der Bühne erscheint. Das ist ein neues Prinzip, das es so vorher noch nicht gab. Nichts mehr mit dunkler Bühne – es steht während der Illusion Publikum im Kreis darum herum. Das wurde hier in Las Vegas entwickelt. Eine Magie Show muss immer spannend bleiben. Wenn die Zuschauer dauernd darüber nachdenkem, wie das jetzt funktioniert hat, macht man als Zauberer etwas nicht richtig. Erst wenn ich selber bei den Proben Gänsehaut bekomme, bin ich sicher, dass ich das Publikum begeistern kann.
Auch Siegfried ist auf unsere Show ganz stolz. Magie und deutsch steht hier in Las Vegas für Qualität.

Las Vegas Blog: Ist das auch eine hohe Bürde?

Jan Rouven: Das ist eine enorme Bürde. Man möchte den Kasinobesitzer und das Publikum begeistern. Das ist Druck. Mir hilft es, wenn ich etwas tue, probe und meinen Text durchgehe. Wenn ich nicht auf der Bühne bin und darüber nachdenke, wir mir schon manchmal etwas mulmig.

Las Vegas Blog: Las Vegas ist derzeit Dein Lebensmittelpunkt – was liebst Du am meisten an dieser Stadt.

Was ich vermisse? Am Abend im Straßencafe ein Kölsch trinken

Jan Rouven Tropicana Hotel Las Vegas Garderobe - Show Vorbereitung

Jan Rouven in der legendären Garderobe des Tropicana

Jan Rouven: Eigentlich möchte ich lieber sagen, was ich an Köln vermisse. (lacht) Kölsch. Am Abend im Straßencafe ein Kölsch trinken. Mal ein Mettbrötchen und auf dem Weihnachtsmarkt einen Glühwein. Und die Düsseldorfer Rheinkirmes, so etwas gibt es hier nämlich nicht.
Was ich an Las Vegas liebe? Keine Limits, Deutschland ist da sehr limitiert. Da kann ich eine Tour machen, die ist nach drei Monaten aber auch rum. Stage Entertainment gibt mir (noch) kein eigenes Theater und wenn ich europaweit unterwegs bin, muss ich immer von zu Hause weg. Hier habe ich mein Haus, am Abend meine Show und die Stadt bringt jedes Jahr zehntausende Gäste zu mir. Ich kann hier ein ganz normales Leben leben führen, könnte auch Frau und Kind haben – die Kinder morgens in die Schule bringen und am Abend in meiner Show auftreten. Genau deshalb sind Celine Dion und Rod Stewart hier.

Las Vegas Blog: Du wohnst und lebst hier. Hast Du noch einen Geheimtipp für Las Vegas?

Wenn dann noch Siegfried mit dabei sitzt, ist es wirklich wie in Bayern

Jan Rouven: Da fallen mir spontan drei Dinge ein.
Erstens: Was in keinem Reiseführer steht: Einfach einmal am Abend den Strip entlang gehen oder besser entlang schlendern. Langsam von einem Hotel zum nächsten und die Stadt auf sich wirklich lassen. Das machen nur wenige und es ist großartig – man unterschätzt allerdings die Entfernungen sehr schnell und wie lang der Las Vegas Strip wirklich ist.
Zweitens: Lake Las Vegas. Etwa 20 Minuten außerhalb von Las Vegas gibt es diesen wunderschönen See – da wohnt auch Celine Dion, die eigentlich jeden Abend mit dem Helikopter vom Lake Las Vegas zu ihren Auftritten fliegen wollte bis sich ihre Nachbarn beschwert haben.
Drittens: Mount Charleston. Etwas mehr als eine halbe Stunde außerhalb der Stadt. Da gibt es ein Skigebiet in Bergen, das glaubt kaum jemand, der es nicht selbst gesehen hat. Da gibt es eine kleine Hütte, wo Waffeln mit Kirschen verkauft werden – das ist eigentlich wie in Bayern. Ich fahre eine halbe Stunde und sitze im Tannengrün und esse eine Waffel mit Kirschen und Sahne in einer Berghütte – wenn dann noch Siegfried mit dabei sitzt, ist es wirklich wie in Bayern.

Las Vegas Blog: Du bist einmal Entertainer of the Year gewählt worden. Auch ein Entertainer will unterhalten werden – wo gehst Du dazu am Abend hin?

Wenn ich beim Spielen etwas mehr gewinne, höre ich schnell auf.

Jan Rouven: Klar gamble ich manchmal gerne. Manchmal gewinne ich, manchmal verliere ich. Wenn ich beim Spielen etwas mehr gewinne, höre ich schnell auf. Ich liebe es in Las Vegas ins Kino zu gehen. In Köln gibt es zwei bis drei große Kinokomplexe – in Las Vegas gibt es etwa 30. Shows besuche ich nur, wenn ich dazu von Kollegen eingeladen werde. In den Shows kann ich aber meistens nicht entspannen. Ich frage mich die ganze Zeit, wie ist hier der Sound, wie das Licht – da bin ich zu schnell wieder in meinem Element.

Las Vegas Blog: Lieber Jan. Danke für Deine persönlichen Einblicke in das Leben in Las Vegas. Ich wünsche Dir die beste Premiere Deiner Karriere für Deine neue Las Vegas Show.

Jan Rouven:Gern geschehen. Ich zeige Dir gleich die neuesten Sachen und meine Garderobe, da schnallst Du ab, da haben sich schon Wayne Newton die Liza Minnelli auf ihre Shows vorbereitet – die ist so groß wie mein altes Theater.

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Wer sich in Las Vegas die Show nicht entgehen lassen möchten, kann hier auf der Seite des Tropicana Hotels Jan Rouven – The New Illisions Tickets kaufen.

Hier gibt es Infos zu weiteren Las Vegas Shows.

Habt ihr Jan Rouven live gesehen? Dann schreibt Euren Bericht unbedingt in die Kommentare.

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1 Reaktion

  1. 18. August 2015

    […] Seine Insidertipps für Las Vegas lest ihr exklusiv im Jan Rouven Interview. […]

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